07.06.2019

„Regisseurin“ übergibt nach 28 Jahren ihre Schlüssel

Eggersdorf. Ehrlich, fair, respektvoll, engagiert: Für Sieglinde Rödl lassen sich viele Eigenschaften finden. So viel ist sicher. Allein die lange Reihe jener, die sich von ihr verabschieden wollen, spricht Bände.

 


 

Sieglinde Rödl schüttelt zahllose Hände an ihrem letzten Tag im AWO-Seniorenzentrum „Clara Zetkin“, umarmt und kniet nieder, vor jenen, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind.

 

Es sind bewegende Momente für die scheidende Einrichtungsleiterin. Tränen fließen, Worte versagen beim Abschiednehmen. Immerhin: 28 Jahre lang - seit dem 9. Januar 1991 – leitete Sieglinde Rödl das Haus am grünen Stadtrand. Sie führte mit Augenmaß und Wertschätzung Regie, wird ihre Kollegin und Pflegedienstleiterin Dagmar Dittberner in ihrer Rede sagen. Nun sei der Zeitpunkt gekommen, sich vom Berufsleben abzunabeln, witzelte unterdessen ihr Pflegeteam und überreichte für den nächsten Lebensabschnitt eine prall gefüllte XXL-Schultüte. Nicht nur mit einem großen Geschenk verabschiedeten sich die engsten Kolleginnen und Kollegen. Sondern auch damit: „Es heißt: Tue Gutes und dir wird Gutes wiederfahren. Wenn wir uns hier im Seniorenzentrum umschauen dann sehen wir – Sie haben alles richtig gemacht.“

 

Seitens des AWO Bezirksverband Brandenburg Ost e. V.-Vorstandes und der Geschäftsstelle bedankte sich Kati Karney als Geschäftsführender Vorstand herzlich bei der langjährigen Einrichtungsleiterin. „Vor allem beeindruckt hat uns Ihre Stärke und Ihr Mut“, sagte sie. „Sie haben umfangreiche Umbauten gemanagt, für unsere Bewohner Kultur ins Haus gebracht, sich aber auch immer politisch engagiert. Sie sind eine Frau mit einem großen Herz. Vielen Dank für alles.“

 

Sieglinde Rödl gab den Dank unverzüglich weiter, an all ihre Mitarbeiter und Peter Müller etwa, Vorstandsvorsitzender des AWO Bezirksverbandes Brandenburg Ost e. V.. „Ihnen haben wir zu verdanken, dass es das Haus heute hier gibt“, sagte die scheidende Einrichtungsleiterin. „Sie haben 1991 gesagten, aus dem alten Kasten kann man etwas machen. Und so ist es eingetroffen.“

 

Die Schlüssel sind nun weitergegeben. Das AWO-Seniorenzentrum „Clara Zetkin“ leitet künftig Stefanie Böhnke. Die 29-Jährige ist seit April 2019 im Haus beschäftigt. Die studierte Fachwirtin im Gesundheits- und Sozialwesen hat bis dahin ein Pflegezentrum in Brandenburg an der Havel geleitet. Ihre Vorgängerin ist sich sicher: „Frau Böhnke ist emphatisch, zielstrebig und engagiert. Sie rockt das Haus. Wenn man sie lässt.“