21.08.2019

Anna Sudau feierte 101. Geburtstag

Oderberg. Herzliche Glückwünsche im AWO Seniorenzentrum „Herbstsonne“: Anna Sudau ist 101 Jahr alt geworden

 

 

 

Leise klappern Kuchengabeln auf Porzellan. Kaffee dampft in Tassen. Weißes Tischtuch, darauf ein Strauß, der die schönsten Sommerfarben vereint. Anna Sudau stimmt unvermittelt ein Liedchen an. „Rote Lippen soll man küssen“, singt die Dame. „Denn zum Küssen sind sie da …“ Ihre Geburtstagsrunde lässt sich nicht lange Bitten und singt mit ihr - für sie.

 

Anna Sudau feiert Geburtstag im AWO Seniorenzentrum „Herbstsonne“. Es ist ihr erster Geburtstag hier in der Oderberger Einrichtung. Das ist erstaunlich. Denn: Anna Sudau wird 101 Jahr alt.

Bis kurz vor Weihnachten 2018 hat sie noch in ihren eigenen vier Wänden in Oderberg gelebt. Ein Pflegedienst half beim Einkauf und täglichen Dingen. Die Augen machten ihr nur immer mehr zu schaffen. Grauer Star. Anna Sudau kann mittlerweile so gut wie nichts mehr sehen.

 

Aber erinnern kann sie sich gut. An ihre Heimat etwa. In Litauen ist Anna Sudau einst geboren. Zu einer Zeit, als die Deutschen noch einen Kaiser hatten und in ihrem eigenen Land ein König beziehungsweise Herzog gewählt wurde, der seine Regentschaft nie antreten sollte. Das Litauische Königreich währte auch nicht lange, kaum vier Monate.

 

Die glücklichste Zeit ihres Lebens hätte sie in Litauen erlebt, sagt Frau Sudau. Sie erinnert sich an ihren Chor, die Kirche. Sopranstimme war sie. Ihren Mann hat sie einst in der alten Heimat kennengelernt. Einen Deutschen, der aus heute polnischem Gebiet stammte. Ihr Mann hat den Zweiten Weltkrieg nicht überlebt. Er fiel in Russland. Die beiden Söhne zog Anna Sudau alleine groß. „Viele Tränen sind geflossen“, sagt sie.

 

Die Geburtstagstorte ist aus Schokolade und Kirschen, mehrere Lagen. Anna Sudau probiert vorsichtig. Michaela Nitschke streicht ihr über die Wange und hilft beim Aufgabeln. Die Physiotherapeutin hat sich um die Geburtstagsvorbereitung gekümmert, den Tisch geschmückt. „Unsere Anna ist immer gut aufgelegt und ausgesprochen dankbar für alles, was man ihr angedeihen lässt“, erzählt sie. Schon morgens begrüßt sie die Pflegekräfte mit einem Lied.

 

Und dann neckt jemand Frau Sudau und sie antwortet mit einem so herzlichen, aufrichtigen Lachen, dass es ansteckt. Und man vergisst beinahe, dass dort eine hochbetagte Dame sitzt, die viel Leid und Trauer in ihrem Leben erfahren musste und darüber nicht vergrämt ist.