06.06.2019

Nette Mitbewohner gesucht!

Strausberg. Das ist ganz neu: In Strausberg gab es Einblicke in die erste Senioren-WG der Stadt. Das Interesse war enorm. Im Herbst ziehen die ersten Bewohner ein.

 


 

Eigentlich fühlt sich der Herr in kurzen Hosen und kariertem Hemd noch zu jung für einen Umzug. Seine Tochter lächelt. Sie sieht das anders. Ihr Vater wird demnächst 90. „Für das Alter ist er zwar noch fit“, sagt sie. „Aber das Laufen wird beschwerlicher.“ Insgesamt bräuchten ihre Eltern immer öfter Hilfe im Alltag. Um sie zu unterstützen, kommt sie jedes Mal aus Berlin, wo sie lebt, nach Strausberg. Jetzt sucht sie nach alternativen Wohnformen. Am Otto-Grotewohl-Ring 1 könnte sie sie gefunden haben.

 

Die Tochter steht mit ihren Eltern in der vierten Etage des AWO-Seniorenzentrums „Am Mühlenberg“ im lichtdurchfluteten Apartment mit der Nummer drei. Noch ist hier Baustelle. Der AWO Bezirksverband Brandenburg Ost e. V. lässt das einstige Feierabendheim im Inneren komplett umbauen. Weg von Pflege-Doppelzimmern. Hin zu modernen, hellen WG-Zimmern. Trotz Baustaub können Interessierte schon einmal einen Blick in die Zimmer der Senioren-Wohngemeinschaft werfen, die hier im Herbst eröffnet. Die Berlinerin ist begeistert. „Die Wege im Haus sind kurz“, zählt sie auf, „das Bad ist riesig, meine Eltern müssten ihre vertraute Umgebung nicht verlassen. Und: Sie sind nicht allein.“

Insgesamt 30 Apartments werden zurzeit umgebaut, zehn auf jeder Etage. Von 23 bis 37 Quadratmeter Größe, mit Schlaf- und Wohnbereich, Gemeinschaftsküche und jeweils einem Bad mit ebenerdiger Dusche stehen den künftigen WG-Bewohnern zur Verfügung. Hinzu kommt ein großer Gemeinschaftsraum mit Gemeinschaftsbad und Ruhebereichen.

Das AWO-Konzept ist neu in Strausberg. Senioren-WGs gibt es bislang nicht. Entsprechend groß war der Andrang beim „Tag der offenen Tür“. 40 Interessierte hatten sich angemeldet. Am Ende kamen knapp 50. Die meisten hatten sich das Konzept bereits bei zwei vorangegangenen Terminen erklären lassen.

Und das Prinzip ist einfach: Eine Senioren-WG funktioniert wie eine Studenten-WG. Jeder mietet sein Apartment. Wer sich zurückziehen möchte, schließt die Tür hinter sich. Ansonsten trifft man sich. So oft wie möglich. Eine aktive Beteiligung an der Wohngemeinschaft wird ausdrücklich erwünscht. Eine sogenannte Präsenzkraft wird sich darüber hinaus um die Belange der Hausbewohner kümmern.

Beim ersten Rundgang am Mittwochabend führten AWO-Einrichtungsleiterin Viola Thürmann und Quartiersmanagerin Ramona Stock zwei Gruppen über die Etage. Die ersten Reaktionen: Vor allem Lob und Anerkennung – für das Konzept und die Umsetzung. Die Anmeldeformulare jedenfalls mussten nachgeordert werden. Sie reichten nicht aus.

 

Das Projekt zur Quartiersentwicklung „Am Mühlenberg“ in Strausberg wird durch die „Deutsche Fernsehlotterie“ gefördert und vom AWO Bezirksverband Brandenburg Ost e.V. durchgeführt.